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Ermordet: Heinrich Wolff

Heinrich Wolff, Foto privat, Repro: Manuel Werner
Heinrich Wolff, Foto privat, Repro: Manuel Werner

Heinrich Wolff (Jahrgang 1886) war Christ, für die Nationalsozialisten aber Jude. Er wohnte seit 1908 in Frickenhausen und wurde ermordet, weil er als Jude angesehen wurde. Da seine Töchter evangelisch und nicht jüdischer Religionszugehörigkeit waren sowie seine Frau Anna nach ersten "Fehleinschätzungen" als "arisch" eingestuft war, wurden seine Familienverhältnisse als "privilegierte Mischehe" gewertet. Doch zu dieser Zeit war er bereits im KZ. Nach der Aussage seiner Tochter Marianne war er bereits vor dem Novemberpogrom verschleppt worden, vermutlich im Juni 1938 bei der so genannten "Asozialenaktion", denn er galt als vorbestraft. Hierbei ist zu bedenken, dass es sich um ein Gerichtsurteil aus der NS-Zeit handelte, bei dem der Mitangeklagte in Freiheit blieb. Zu dem Urteil kam es so: Die Schuhfabrik Bacher, in der er Prokurist war, hatte im Jahr 1935 Konkurs anmelden müssen. In diesem Zusammenhang war Heinrich Wolff 1936 wegen "Bankrottvergehens und Betrug" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der andere Angeklagte, ein NSDAP-Mitglied, habe seine Strafe nicht absitzen müssen, so Marianne E: Der Familie ging es wirtschaftlich schlecht, nachdem der Ernährer weggesperrt war. Als "vorbestrafter Jude" - nach NS-Denkweise - wurde Heinrich Wolff nach seiner Haftentlassung schnell wieder festgesetzt und in das KZ Dachau verbracht. Von dort kam er in das KZ Buchenwald. Seine Frau versuchte, ab Oktober 1938 die Auswanderung zu betreiben, hatte aber damit keine Chance, weil ihr Mann vorbestraft war, Sie hatte deswegen sogar an Heinrich Himmler geschrieben. Heinrich Wolff wurde am 4. März 1941 ermordet, vermutlich vergast, wie eine Aussage eines KZ-Kameraden nahe legt. Offiziell hieß es, er sei an Lungenentzündung verstorben. Mit zittriger Schrift hatte er in einer letzten Postkarte an seine Angehörigen geschrieben: "Mir geht es gut". Zur Zeit des Datums, das auf der Karte stand, war er bereits ermordet.(1)

 

Seine Töchter wurden gemäß dem im Nürtinger Landratsamt und der Stadt damals behördlich fixierten Rassenwahn der Nationalsozialisten als "Halbjüdinnen" bzw. "Mischlinge" ersten Grades eingestuft und deswegen schlecht behandelt. Auch sie sollten ermordet werden, in der Reiterkaserne in Cannstatt, wie sich Marianne E. erinnert. aber der Vorstoß der amerikanischen Armee verhinderte dies.