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Was sind "Euthanasie"-Morde?

Als "Euthanasie"-Morde während der Zeit des Nationalsozialismus werden heute die systematischen Ermordungen von mehr als 70.000 Menschen in den Jahren 1940 bis 1945 bezeichnet, die deswegen ermordet wurden, weil sie geistig oder körperlich behindert waren oder bestimmte psychische Erkrankungen hatten.

 

Die geschätzte Gesamtzahl der Opfer liegt für ganz Europa bei 300.000. Diese Massenermordungen wurden von den Nationalsozialisten mit der Bezeichnung „Euthanasie“ oder „Aktion Gnadentod“ schöngeredet. Euthanasie ist ein griechischer Begriff. "eu" heißt so viel wie „gut, richtig, leicht, schön“ und  "thanatos" bedeutet „Tod“, "Euthanasia" steht ursprünglich für einen „guten Tod“ ohne vorhergehende lange Leidenszeit.

 

Ein anderer Begriff hierfür ist heutzutage "Aktion T4". T4 kommt von der Adresse einer Villa in der damaligen Tiergartenstraße 4 in Berlin, in der die Ermordung behinderter Menschen organisiert wurde. Diese Menschen wurden von den Nationalsozalisten als "Ballastexistenzen" oder "lebensunwertes Leben"diffamiert. So zeigte ein Plakat einen behinderten Menschen mit dem Text: "60.000 RM [= Reichsmark] kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, das ist auch Dein Geld."

Ein anderes hatte den Text: "Täglich RM 5,50 kostet den Staat ein Erbkranker – für RM 5,50 kann eine erbgesunde Familie 1 Tag leben",

 

In der Schule gab es begleitende Rechenaufgaben wie:

„Ein Geisteskranker kostet täglich 4 RM [= Reichsmark], ein Krüppel 5,50 RM, ein Verbrecher 3,50 RM. In vielen Fällen hat ein Beamter nur etwa 4 RM, ein Angestellter kaum 3,50 RM, ein ungelernter Arbeiter noch keine 2 RM auf den Kopf der Familie.

a) Stelle diese Zahlen bildlich dar.

Nach vorsichtigen Schätzungen sind in Deutschland 300.000 Geisteskranke, Epileptiker usw. in Anstaltspflege.

b) Was kosten diese jährlich bei einem Satz von 4 RM?

c) Wie viele Ehestandsdarlehen zu 1.000 RM könnten – unter Verzicht auf spätere Rückzahlung – von diesem Geld jährlich ausgegeben werden?

Text: Manuel Werner, 4. April 2016