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Ein Beispiel: Zwangssterilisation des Sintos J.R.

J.R. (Jahrgang 1906 oder 1900) aus dem damaligen Landkreis Nürtingen wurde aufgrund des so genannten "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" im Plochinger Krankenhaus zwangssterilisiert.

 

Der "Rohproduktenhändler" J.R. heiratete 1923 P, geborene W., verwitwete S. (Jahrgang 1896).

 

Die so genannte "Rassenhygienische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes" in Berlin-Dahlem unter der Leitung von Dr. Robert Ritter verfasste am 24. Juni 1941 so genannte "Gutachterliche Äußerungen". Demnach stufte sie J.R. als "ZM+" ein. Darunter verstand sie "Zigeunermischling mit vorwiegend zigeunerischem Blutanteil". Seine Ehefrau P.R. erhielt die "Rassediagnose Nicht-Zigeuner (- ist Angehöriger einer Zigeuner-Mischlings-Familie)".(KrAES D1/831)

 

Wohl nach dieser "Gutachterlichen Äußerung" ist J.R. zwangssterilisiert worden. 

 

J.R. litt sehr unter diesem Eingriff und trug auch psychische Schäden davon.

 

Am 20. April 1945 erwartete er die einmarschierende U.S.-Army. Wie für ihn üblich trug er hierbei einen "großen schwarzen Hut mit breiter Krempe" (Kneher 1996: 162). Als ihm ein Soldat der Panzerbesatzung zurief: "Are you from Mexico?", antwortete er: "No, I am a gipsy(Kneher 1996: 162)

J.R. starb 1961.

Quellen:

 

  • KrAES D1/831
  • Brigitte Kneher: Das Schicksal einer Kirchheimer Zigeunerfamilie im Dritten Reich, in: Stadt Kirchheim unter Teck, Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck, Band 19, 1995, S. 158f. und 162,

 

April 2015, Manuel Werner